Das Jahr 2019 ist noch kein Quartal alt und trotzdem scheint das Bäcker- und Konditorenhandwerk weiter ins Zentrum des gesellschaftlichen Interesses vorzudringen.  Brot ist in aller Munde und nicht nur das. Der Konsument mutiert weiter mehr und mehr zum Prosumenten. Ich für meinen Teil genieße das sehr. Zugegeben! Die Anzahl an  Besserwissern die ungelernterweise einem Bäckermeister gern seinen Beruf erklären möchten,  wächst automatisch mit an. Das gehört allerdings dazu und sowas wird es immer geben. Völlig egal ob selbstbackende Hausfrau, klugscheißender Brotliebhaber, backverrückter Hobbybäcker oder brotverliebter Bäckermeister. Wir alle wollen doch alle das gleiche. Ehrliche, saubere und von Hand gefertigte Backwaren. Salzig, süß, deftig oder gesund…. lecker, ansprechend und einfach geil muss es sein!

Essen ist der neue Sex! „Sex sales“ war gestern. Heut heißt es „Bread sales“ !!!

Auch das Brotforum 2019 welches in der Akademie des deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim statt fand, drehte sich rund um das Thema „make bread great again“. Ich muss schon sagen… soviel Emotionen hab ich mir gewünscht aber ehrlich gesagt hätte ich nie geglaubt diese zu bekommen. Nun ja… man lernt nie aus!

Vertreter sämtlicher Betriebsgrößen gaben sich die Klinke in die Hand. Lang bekannte und erfolgreiche Gesichter der Szene wie die Wildbakers, Max Kugel, Martin Drieß oder Josef Hinkel unterhielten sich mit Gleichgesinnten zu den ich mich glücklicherweise auch zählen durfte, darüber wie unser Produkt Nummer eins, das Brot, auch in Zukunft salonfähiger wird und vor allem bleibt. Herrlich! Hitzige Diskussionen, emotionale Aussagen, Vorwürfe, freundschaftliche Bekenntinisse, Ehrlichkeit und etwas Flunkern fürs gute Gewissen. Es war einiges geboten! Am Ende des Tages muss man aber ehrlicherweise festhalten, das es jedem in diesem Saal ums gleiche ging. Es ging darum das wir als Handwerksbäcker den Menschen da draußen täglich das geilste Brot um die Ohren hauen wollen. Selbst die Industrie scheute sich nicht und stellte sich mutigerweise dieser Runde. War das dumm? Ganz und gar nicht! Harrybrot, ein Konzern der schlappe !!!1.000.000.000€!!! Umsatz mit dem Backen von Brot jährlich erwirtschaftet, stand den unangenehmen Fragen Rede und Antwort. Jeder der mich kennt weiß, ich bin Handwerker vom Scheitel bis zur Sohle und ich hab Sauerteig in den Adern. Ich muss trotzdem anmerken das vieles schlicht unfair und wahrheitsfremd ist was den Brothirschen am Umsatzplatz der Backbrange unterstellt wird.

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Qualität ist in meinen Augen etwas sehr Abstraktes und Individuelles. Für den einen ist ein schlecht gebackenes 10€ Brot der Innbegriff von Qualität…einfach weil es teuer ist. Für den anderen ist das durchschnittliche Handwerksbrot super. Es gibt Menschen wie mich…ich probiere grundsätzlich alle Brotqualitäten, bevorzuge jedoch die absolute highend Qualität….Der Preis ist mir in dem Fall auch sch….egal!!! Dann lass ich lieber den Belag weg. Auch das Industriebrot erfreut sich großer Beliebtheit. Wahrscheinlich ist es das erfolgreichste Brot am deutschen Markt. Es ist eine Vermutung, aber hier gibt den qualitativen Ausschlag aber sicherlich eher der Preis. Das soll keineswegs despektierlich rüber kommen! Ich möchte damit nur sagen, das Qualität keine messbare Größe ist. Qualität ist ein schizophrenes Gefühl! Nicht mehr, aber auch nicht weniger!!

Dies nur als kleiner Anriss meiner Eindrücke des diesjährigen Brotforums!

Hinter der Überschrift verbirgt sich jedoch etwas mehr als nur dieses romantische Geplänkel das ihr sonst von mir gewohnt seid.

Wie der aufmerksame Leser sicher schon bemerkt hat, geht es mir inhaltlich um weit mehr als nur zum wiederholten mal zu erwähnen wie geil ich handwerkliches Brot finde. Diesmal geht es um Menschen die hinter dieser riesen Fassade des Bäckerhandwerks stehen. Die Strippenzieher, die ausführenden Organe und die Menschen dazwischen.

 

Bekanntermaßen sind es die Bundesakademien des deutschen Bäckerhandwerks die für die Ausbildung unser neuen Bäckermeister verantwortlich sind. Darüber hinaus sind diese Akademien die kurzfristige Heimat für all die jungen werdenden Bäcker. Diese sammeln dort während ihres ÜLU-Aufenthaltes wichtige Erfahrungen und dürfen ganz leise die Meisterluft schnuppern. Es ist toll all diese Menschen unter einem Dach versammelt zu haben! Unsere Schulen leisten hervorragende Arbeit!

Diese hervorragende Arbeit haben wir nicht zuletzt, sonder ausschließlich unseren Fachlehrern zu verdanken! Sie formen die neuen Generationen für das Handwerk. Sie sehen diesen Job nicht selten als Lebensaufgabe an!

Damit mein Gedanke einen Namen bekommt, möchte ich euch gern ein paar Worte über meinen Meisterausbilder erzählen. Der Mann heißt Arnulf Kleinle! Er hat mich zu dem Bäckermeister gemacht der ich heut bin. Ohne ihn könnte ich euch nicht annähernd solche Rezepturen zur Verfügung stellen, geschweige denn euch auf unseren Kursen mit diesem theoretischen Input versorgen. Arnulf Kleinle hat in seinem Leben weit mehr als 1000 Bäckermeister ausgebildet und unzählige Auszubildende gefördert. Er ist wenn man will „das Rückrad des Bayerischen Bäckerhandwerks!“.

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Dank völlig maroder und veralteter Verbandsstrukturen und der eher auf persönliche Eitelkeit getackteten Innungspolitik des im südöstlichen Bayern beheimateten Verbandes, haben es die dort verantwortlichen Damen und Herren tatsächlich geschafft, sich ihr Rückrad selber heraus zu reißen. Es ist leider nicht erst seit gestern ein offenes Geheimnis, das ehrliche Meinungen und ein fortschrittlicher Blick nach vorn eher ungewollt sind. Ich liebe Bayern und die Mentalität sehr. Dies ist jedoch für mich der Punkt an dem ich ehrlich sagen muss… „dieses mia san mia ist nicht mehr mein mia san mia!“ Wenn Menschen wie beispielsweise Arnulf Kleinle, der sich seinen Arsch für das Bayerische Bäckerhandwerk aufgerissen hat, kategorisch rausgeekelt wird nur weil er ungemütlich und ehrlich ist, dann ist das schon eine Form von Peinlichkeit und Erbärmlichkeit die seines Gleichen sucht! Die Münchner Bäckermeisterschule im beschaulichen Stadtteil Gräfelfing wurde vor kurzem im fünfstelligen Millionenbereich saniert und neu erbaut. Die Schule ist einfach toll. Ohne Arnulf Kleinle würde sie dort allerdings in der Form nicht stehen. Ähnlich verhält es sich mit der Ausbildung zum Bäckermeister. Die jungen Menschen kommen lang nicht mehr nach Lochham weil der Ruf dieser Schule so toll ist. Sie pilgern aus alles Ecken nach Lochham, um sich dort speziell von Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt Arnulf Kleinle ausbilden zu lassen!!! Er ist das Gesicht und das Herz dieser Schule!!!

Leider gottes haben es Entscheidungsträger auf Innungsebene die ihre Innungsmitglieder mehr als zahlende Kundschaft betrachten geschafft, diesem Mann keine andere Wahl zu lassen, als Servus zu sagen!!!

Herzlichen Glückwunsch!! Ihr habt den besten Bäcker ziehen lassen den es gibt!! Als schönes Geschenk on top rennt euch wahrscheinlich noch die gesamte restliche Fachlehrerschaft davon!! Es ist schon erstaunlich wieviel Schaden eine derartige Selbstverliebtheit und Überheblichkeit anrichten kann. In einem Punkt sind besagte Personen jedoch ganz stark und immer vorn dabei… die eigenen Berufskollegen an den Pranger zu stellen um seine eigenen Unzulänglichkeiten unter den Teppich zu kehren. Ich denke jeder im Thema weiß was gemeint ist!

Ich wünsche der Meisterschule in Lochham alles alles Gute und ich hoffe das sie diese stürmischen Zeiten überlebt! Ich wünsche mir von ganzem herzen, nicht nur für meinen engen Freund Arnulf Kleinle und alle Fachlehrer, sondern für alle zahlenden Innungsmitglieder die die Taschen der Verantwortlichen weiter auffüllen, das sich alles pro Bäcker- und Konditorenhandwerk und für die Ausbildung junger Menschen, wieder zum Guten wendet!

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Brot sollte so ehrlich und aufrichtig sein wie die eigene Meinung! Tom the Baker

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